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Wechselmodell:

Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder auch nach einer Trennung oder Scheidung weiter gemeinsam betreuen. Diese Eltern bevorzugen zunehmend das sogenannte Wechselmodell.
Diese Betreuung kann in Form eines paritätischen Wechselmodells durchgeführt werden, in dem die Eltern die Kinder zu gleichen Teilen betreuen; z.B. im wöchentlichen Wechsel.
Man spricht aber auch vom Wechselmodell wenn die Kinder zwar nicht völlig gleichenmäßig, aber doch recht ausgewogen von beiden Eltern betreut werden und diese Betreuung über den sonst üblichen Rahmen eines Umgangs hinaus geht, z.B. bei einer Aufteilung der Betreuungszeit auf die Eltern von 40% zu 60%.
Der Spielraum für eine Vereinbarung der Eltern zur Ausgestaltung des Wechselmodells ist groß und sollte sich immer am Wohl der Kinder orientieren.
Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder diese Art der Betreuung durch beide Eltern sehr gut annehmen.

Während in der Vergangenheit die deutschen Familiengerichte mit Entscheidungen zum Wechselmodell sehr zurückhaltend waren, gibt es seit 2017 auch gerichtliche Entscheidungen zum Wechselmodell.
So hat der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 01.02.2017 (AZ: XII ZB 601/15) entschieden, dass

“eine gerichtliche Umgangsregelung, die im Ergebnis zu einer gleichmäßigen Betreuung des Kindes durch beide Eltern im Sinne eines paritätischen Wech- selmodells führt, wird vom Gesetz nicht ausgeschlossen. Auch die Ablehnung des Wechselmodells durch einen Elternteil hindert eine solche Regelung für sich genommen noch nicht. Entscheidender Maßstab der Regelung ist vielmehr, dass im konkreten Einzelfall festzustellende Kindeswohl ..."

Damit ist davon auszugehen, dass sich das Wechselmodell zukünftig immer weiter als allgemeine Betreuungsform für Kinder von getrennten und geschiedenen Eltern festigen wird.

Haben Sie Fragen dazu - wir beraten Sie gern.

Das Wechselmodell bringt auch praktische Fragen für die Eltern mit sich, wie z.B. die Übernahme und Aufteilung der Kosten der Kinder bzw. die Unterhaltsverpflichtungen der Eltern für ihre Kinder und die Frage, wie das Kindergeld unter den Eltern aufgeteilt wird.

Auch dazu liegen bereits erste Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vor. In seiner Entscheidung vom 11. Januar 2017 (AZ: XII ZB 565/15) hat der Bundesgerichtshof darauf hingewiesen, dass im Falle des Wechselmodells grundsätzlich beide Eltern für den Barunterhalt des Kindes einzustehen haben. Der Unterhaltsbedarf des Kindes bemisst sich dann nach dem beiderseitigen Einkommen der Eltern und umfasst auch den in Folge des Wechselmodells entstehenden Mehrbedarf.

Der BGH hat in seiner Entscheidung auch darauf hingewiesen, dass im Falle des Wechselmodells das Kindergeld zur Hälfte auf den Barbetrag des Kindes anzurechnen ist. Die zweite Hälfte des Kindergeldes entfällt auf den Betreuungsanteil. Da beide Elternteile im Wechselmodell die Betreuung der Kinder übernehmen, ist dieser Anteil ebenfalls zwischen den Eltern hälftig auszugleichen.

Aber auch zu diesen Fragen der Berechnung des Kindesunterhalts und zur Aufteilung des Kindergeldes beim Wechselmodell beraten wir Sie gern.